Mahnung schreiben: Aufbau, Fristen und der richtige Versandweg

Redaktion einschreiben-online-versenden.com

Veröffentlicht am · 6 Min. Lesezeit

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Eine offene Rechnung, keine Reaktion: jetzt zählt die Mahnung. Die gute Nachricht: Die Mahnung ist formfrei, das Gesetz schreibt weder ein bestimmtes Papier noch eine bestimmte Formulierung vor. Entscheidend ist etwas anderes: Sie müssen im Streitfall beweisen können, dass Ihre Mahnung abgesendet wurde und was sie enthielt.

Dieser Ratgeber zeigt, was in eine wirksame Mahnung gehört, welche Fristen sinnvoll sind, wann der Schuldner in Verzug gerät (§ 286 BGB) und wie Sie den Versand so dokumentieren, dass Ihre Mahnung in einem späteren Verfahren Gewicht hat.

Was in eine Mahnung gehört

Eine Mahnung ist die eindeutige Aufforderung an den Schuldner, eine fällige Leistung zu erbringen. Damit sie diese Funktion erfüllt, sollte sie fünf Dinge klar benennen:

  • Die Forderung: Rechnungsnummer, Rechnungsdatum, Leistung oder Lieferung, auf die sich die Forderung stützt.
  • Den genauen Betrag: Hauptforderung, gegebenenfalls bereits aufgelaufene Verzugszinsen, jeweils nachvollziehbar beziffert.
  • Eine konkrete Zahlungsfrist: ein Kalenderdatum ist besser als „umgehend“ oder „zeitnah“.
  • Die Bankverbindung: IBAN und Kontoinhaber, damit der Schuldner sofort zahlen kann.
  • Die Ankündigung der nächsten Schritte: etwa das gerichtliche Mahnverfahren nach fruchtlosem Fristablauf.

Verzug nach § 286 BGB: wann die Mahnung nötig ist und wann nicht

Der Schuldner gerät grundsätzlich durch die Mahnung nach Fälligkeit in Verzug (§ 286 Abs. 1 BGB). Ab Verzug schuldet er Verzugszinsen (§ 288 BGB) und muss weitere Verzugsschäden ersetzen, etwa Rechtsverfolgungskosten.

Eine Mahnung ist entbehrlich, wenn für die Zahlung ein Kalenderdatum vereinbart war oder der Schuldner die Zahlung ernsthaft und endgültig verweigert (§ 286 Abs. 2 BGB). Gegenüber Verbrauchern tritt Verzug zudem spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung ein, wenn die Rechnung auf diese Folge besonders hingewiesen hat (§ 286 Abs. 3 BGB). In der Praxis bleibt die ausdrückliche Mahnung trotzdem der sicherste Weg: sie schafft Klarheit und ein Beweisstück.

Übliche Mahnstufen in der Praxis
StufeTonTypische Frist
Zahlungserinnerungfreundlich, geht von einem Versehen aus7 bis 10 Tage
Mahnungbestimmt, setzt in Verzug, kündigt Folgen an10 bis 14 Tage
Letzte Mahnungkündigt das gerichtliche Mahnverfahren konkret an7 bis 10 Tage

Mehrere Mahnstufen sind rechtlich nicht vorgeschrieben: schon die erste Mahnung nach Fälligkeit begründet den Verzug. Die Staffel dient der Verhältnismäßigkeit und wirkt vor Gericht als Beleg Ihrer Ernsthaftigkeit und Geduld.

Formulierung: der richtige Ton für jede Mahnstufe

Bleiben Sie auf jeder Stufe sachlich: Ihre Mahnung kann später Teil einer Gerichtsakte werden. Drohungen, Vorwürfe oder Ironie schwächen Ihre Position; klare Fakten und Fristen stärken sie.

Die Zahlungserinnerung: freundlich und lösungsorientiert

Die erste Stufe unterstellt ein Versehen: Sie erinnern an die Rechnung, nennen Betrag, Rechnungsnummer und Bankverbindung und bitten um Ausgleich binnen 7 bis 10 Tagen. Eine Formulierungshilfe bietet unsere Vorlage Zahlungserinnerung, die sich im Versand direkt mit Ihren Daten füllt.

Die förmliche Mahnung: bestimmt, mit Fristsetzung

Die zweite Stufe fordert unmissverständlich zur Zahlung auf, nennt ein konkretes Fristdatum und stellt fest, dass mit Zugang des Schreibens Verzug eintritt (§ 286 Abs. 1 BGB). Kündigen Sie die Folgen sachlich an: Verzugszinsen und gegebenenfalls gerichtliche Schritte. Als Ausgangspunkt dient die Vorlage Mahnung mit Fristsetzung.

Die letzte Mahnung: Ankündigung des Mahnbescheids

Die dritte Stufe kündigt den gerichtlichen Mahnbescheid für den Fall des fruchtlosen Fristablaufs konkret an und beziffert die Gesamtforderung einschließlich aufgelaufener Zinsen. Wer diese Ankündigung ausspricht, sollte sie auch umsetzen: alles andere untergräbt die Glaubwürdigkeit. Die Vorlage Letzte Mahnung enthält die erwarteten Bausteine.

Verzugszinsen, Mahngebühren und die 40-Euro-Pauschale

Ab Verzugseintritt können Sie mehr verlangen als die Hauptforderung. Die gesetzlichen Verzugszinsen betragen 5 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz; bei Entgeltforderungen zwischen Unternehmern sind es 9 Prozentpunkte (§ 288 BGB). Den Basiszinssatz passt die Bundesbank halbjährlich zum 1. Januar und 1. Juli an.

Was ab Verzug zusätzlich verlangt werden kann
PositionHöheGrundlage
Verzugszinsen (Verbraucher beteiligt)5 Prozentpunkte über Basiszinssatz§ 288 Abs. 1 BGB
Verzugszinsen (Entgeltforderung unter Unternehmern)9 Prozentpunkte über Basiszinssatz§ 288 Abs. 2 BGB
Mahnkosten (Porto, Material)tatsächlicher, nachvollziehbarer Aufwand§ 280, § 286 BGB
Pauschale bei B2B-Entgeltforderungen40 Euro einmalig§ 288 Abs. 5 BGB

Bei den Mahnkosten gilt Augenmaß: ersatzfähig ist der tatsächliche Verzugsschaden, also etwa Porto und Material in nachvollziehbarer Höhe. Pauschale Mahngebühren von 10 oder 15 Euro pro Schreiben halten einer Prüfung regelmäßig nicht stand. Die 40-Euro-Pauschale gilt nur zwischen Unternehmern bei Entgeltforderungen und wird auf spätere Rechtsverfolgungskosten angerechnet.

Der Versandweg entscheidet über den Beweiswert

Eine E-Mail kann im Spam landen und ihr Zugang lässt sich schwer belegen. Ein einfacher Brief hinterlässt gar keine Spur. Das Einwurf-Einschreiben dokumentiert dagegen die Einlieferung und den Einwurf in den Briefkasten des Empfängers. Die Rechtsprechung erkennt darin unter Umständen einen Anscheinsbeweis des Zugangs, wenn Einlieferungs- und Auslieferungsbeleg vorliegen.

Wie stark dieser Nachweis im Detail wirkt, lesen Sie in unserem Ratgeber zum Beweiswert des Einwurf-Einschreibens. Wichtig für die Praxis: bewahren Sie neben den Versandbelegen auch eine Kopie des Briefinhalts auf, damit Sie belegen können, was Sie angemahnt haben.

Wenn der Schuldner nicht zahlt

Bleibt auch die letzte Mahnung ohne Erfolg, ist das gerichtliche Mahnverfahren der übliche nächste Schritt: ein standardisiertes Verfahren, das ohne Klage zu einem vollstreckbaren Titel führen kann. Behalten Sie parallel die Verjährung Ihrer Forderung im Blick: die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt drei Jahre (§ 195 BGB), und eine Mahnung allein hemmt sie nicht.

Häufige Fragen

Die Antworten auf die häufigsten Fragen zum Thema.

Muss eine Mahnung schriftlich erfolgen?

Nein, die Mahnung ist formfrei und wäre theoretisch sogar mündlich wirksam. Praktisch zählt aber nur, was Sie beweisen können. Ein dokumentierter Briefversand gibt Ihrer Mahnung ein Datum und einen belegbaren Inhalt.

Wie viele Mahnungen muss ich schicken, bevor ich klagen kann?

Rechtlich reicht eine Mahnung nach Fälligkeit, um den Schuldner in Verzug zu setzen. Danach steht Ihnen der Weg zum gerichtlichen Mahnverfahren oder zur Klage offen. Mehrere Mahnstufen sind üblich, aber keine Voraussetzung.

Was ist der Unterschied zwischen Zahlungserinnerung und Mahnung?

Rechtlich keiner: auch eine freundlich formulierte Zahlungserinnerung ist eine Mahnung im Sinne des § 286 BGB, wenn sie die Leistung eindeutig anfordert. Die Unterscheidung ist eine Frage des Tons und der Kundenbeziehung, nicht der Wirkung.

Darf ich Mahngebühren verlangen?

Für Mahnungen nach Verzugseintritt können Sie den tatsächlichen Verzugsschaden ersetzt verlangen, etwa Porto- und Materialkosten in nachvollziehbarer Höhe. Pauschale, überhöhte Mahngebühren sind angreifbar. Unternehmen können bei Entgeltforderungen gegenüber Unternehmern zudem die 40-Euro-Pauschale nach § 288 Abs. 5 BGB geltend machen.

Quellen und Referenzen

  • § 286 BGB: Verzug des Schuldners: Eintritt durch Mahnung nach Fälligkeit, Ausnahmen (Kalenderdatum, ernsthafte Verweigerung) und die 30-Tage-Regel bei Entgeltforderungen.
  • § 288 BGB: Verzugszinsen: 5 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz für Verbraucher, 9 Prozentpunkte bei Entgeltforderungen zwischen Unternehmern, dazu die 40-Euro-Pauschale.
  • § 195 BGB: Regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren, beginnend mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger davon Kenntnis erlangt hat (§ 199 BGB).